Fragen und Antworten
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Ab welchem Alter sollten Kinder das Internet alleine nutzen dürfen?
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Kinder interessieren sich zusehends früher für das Internet, schlicht weil sie von so vielen Erwachsenen und älteren Jugendlichen umgeben sind, die es nutzen. Es ist wichtig, diese Welt gemeinsam mit den Kindern zu entdecken, sie bei ihren ersten Schritten zu begleiten und ihnen behutsam Wissen in Bezug auf einen sicheren Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln.
Welche Seiten dürfen die Kinder besuchen, welche nicht?
Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, welche Seiten geeignet sind und bleiben Sie im vertrauensvollen Austausch! Hilfreiche Links dazu finden Sie auf den Linklisten für Kinder und Jugendliche.Wie lange darf das Kind vor dem Computer sitzen?
Im Grundschulalter sollten Kinder noch nicht alleine im Internet „unterwegs sein“. Bis einschließlich sechster Klasse empfiehlt es sich, klare Internet-Zeiten zu definieren, damit die Eltern ihren Zeitplan danach richten können und zu diesen Zeiten selbstverständlich in der Nähe sind.Je älter Kinder werden, desto mehr gilt es, gemeinsam verbindliche Regeln aufzustellen: Also welche Seiten sie besuchen, welche nicht, wie lange sie vor dem Computer sitzen dürfen, mit was sie sich beschäftigen und auch mit wem sie sich online anfreunden.
Das Lernen der richtigen Verhaltensregeln in virtuellen Welten ist mit dem Erlernen der Straßenverkehrsregeln zu vergleichen: Zunächst lernen Kinder das Fahrradfahren mit Stützrädern dann mit Hilfe der Eltern auf zwei Rädern die Straßenverkehrsregeln werden verinnerlicht in der 4. Klasse absolvieren sie oftmals eine Fahrradprüfung.
Je besser und intensiver die Internet-Begleitung ist, desto sicherer und nachhaltiger können sich Kinder später im Netz bewegen. Das bedeutet, dass sich pädagogische Fachkräfte, Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte mit der Online-Welt auseinandersetzen müssen, um die Kinder und Jugendlichen anleiten zu können. Ab welchem Alter Kinder das Internet allein nutzen dürfen, ist individuell von der Entwicklung des Kindes in Bezug auf den sicheren Umgang in Online-Welten abhängig.
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Wer ist betroffen?
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Eine Studie der Universität zu Köln aus dem Jahre 2005 hat ergeben, dass 38,2 Prozent der 10 bis 19-jährigen Chatter ungewollt sexuell angesprochen wurden.
(Aggression, Gewalt und sexuelle Belästigung in Chatrooms. Eine Untersuchung der Chat-Kommunikation Jugendlicher im Alter zwischen 10 und 19 Jahren. Catarina Katzer, Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie, Köln 2005)
- Mädchen wurden häufiger „angemacht“ oder zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert.
- Jungen berichten häufiger, Fotos mit nackten Personen oder Pornos zugeschickt zu bekommen.
Laut „EU Kids Online“ (Stand Januar 2011) berichten 25 Prozent der europäischen Kinder und Jugendlichen ihren Eltern von sexuell verstörenden Konfrontationen im Netz. Ebenso viele haben nach einem solchen Erlebnis das Internet eine Weile nicht mehr genutzt (http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/554).
Studien zufolge wird jedes vierte Mädchen und jeder siebte bis neunte Junge bis zum 18. Lebensjahr Opfer eines sexuellen Übergriffs. Das reicht von der Begegnung mit einem Exhibitionisten bis hin zum schweren sexuellen Missbrauch.
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Welche Signale betroffener Kinder und Jugendlicher gibt es?
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Nicht alle Mädchen und Jungen, die sexuellen Missbrauch erleben, zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Nur selten liegen körperliche Spuren vor, die zweifelsfrei auf sexuelle Gewalt hindeuten. Genauso wenig gibt es eindeutige Verhaltensänderungen, die anzeigen, dass ein Kind sexuell missbraucht wird.
Wenn sich ein Kind plötzlich oder schleichend aus unerklärbaren Gründen anders verhält als gewohnt, sich z. B. von Freundinnen und Freunden zurückzieht, von einem Augenblick auf den anderen aggressiv wird, Alpträume hat, keine Lust mehr auf seine Lieblingsspeisen oder Hobbys hat, ist das ein Zeichen dafür, dass es etwas bedrückt und etwas mitteilen möchte. Diese Verhaltensänderungen, die von Bezugserwachsenen oft mit Sorge wahrgenommen werden, können verschiedene Ursachen haben: z. B. die entwicklungsbedingte Trotzphase, der Schulwechsel, Pubertät, der Tod einer geliebten Person, Trennung der Eltern.
Da sexueller Missbrauch als Teil des eigenen Lebens den meisten Menschen so fern ist, wird an diese Möglichkeit meist nicht gedacht. Um herauszufinden, was los ist, müssen sich Erwachsene Zeit nehmen, um mit dem Kind oder Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.
Oft machen Mädchen und Jungen, die sexuell missbraucht werden, versteckte Andeutungen. Sie haben plötzlich keine Lust mehr, zum Training zu gehen, am Computer zu sitzen, mit dem Nachbarn zu spielen oder über das Wochenende zu Verwandten zu fahren.
Werden ihre Anliegen übergangen und sie trotzdem zum Training oder den Verwandten geschickt, verlässt Mädchen und Jungen häufig der Mut, sich mit ihren eigentlichen Kümmernissen anzuvertrauen.
Wird dagegen genauer nachgefragt, was hinter der Lustlosigkeit steckt, erhalten Jungen und Mädchen eher die Möglichkeit, sich zu öffnen.
Andeutungen und Verhaltensveränderungen sind oftmals Signale von Kindern und Jugendlichen an Erwachsene. Diese Signale gilt es wahrzunehmen, richtig zu interpretieren, um zum Schutz der Kinder und Jugendlichen handeln zu können.
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Werden auch Jungen Opfer?
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Jungen als Opfer sexueller Gewalt waren lange Jahre nicht im Blick der (Fach-) Öffentlichkeit.
Mädchen werden als Opfer eher erkannt und Jungen leichter übersehen. Oft lässt sich die Opferrolle für Jungen nicht mit dem eigenen Selbstbild vereinbaren, in dem Stärke, Kontrolle und Überlegenheit eine große Rolle spielen. Dieses Selbstbild ist Ergebnis der gängigen Vorstellungen, wie ein Junge zu sein hat. Gerade Jungen mit einem traditionellen Jungenbild bringen sexuelle Übergriffe durch eine erwachsene Person völlig aus der Fassung.
Sexueller Missbrauch ist sehr verwirrend. Jungen wissen nicht genau, was passiert. Sie ekeln sich, haben Angst oder Schmerzen, verlieren die Kontrolle und fühlen sich ohnmächtig. All das darf einem Jungen angeblich nicht passieren. Gleichzeitig mögen sie den Missbraucher/die Missbraucherin, sie sind gerne mit ihm oder ihr zusammen.
Einige Jungen haben während eines Missbrauchs eine Erektion, denn auch auf Angst reagiert der Körper manchmal mit einem erigierten Penis. Das heißt nicht, dass der Junge den sexuellen Missbrauch will oder gar genießt. Der Täter/die Täterin aber nutzt das, um dem Jungen aktives Mitmachen und Lust einzureden. Gegen diese „körperlichen Beweise“ hat der Junge keine Argumente und so zieht sich die Schlinge des „Du hast doch selber Spaß daran, das ist jetzt unser Geheimnis“ zu.
Da der Täter häufig ein männlicher Jugendlicher oder ein Mann ist und in einer scheinbar intakten Beziehung mit einer Frau lebt, fragt sich der Junge: „Bin ich etwa schwul, dass der sich von mir reizen lässt?“ Diese Ängste machen es für den Jungen noch schwerer, sich Hilfe zu holen. Homosexualität wird von vielen noch immer als Tabuthema angesehen, über das viele nicht sprechen wollen.
Viele Jungen tun alles, damit niemand ihre Not bemerkt. Dabei geht es ihnen oft schlecht. Sie wollen, dass der Missbrauch aufhört, wissen aber nicht, was sie machen sollen. Die meisten Jungen denken, dass sie alles im Griff haben müssen und trauen sich deshalb nicht, sich Hilfe zu holen. Viele Fragen bleiben für sie unbeantwortet.
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Opfer und Täter
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Opfer - weil Kinder vertrauensvoll und offen sind. Kinder brauchen für ihre Entwicklung Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit. Sie gehen davon aus, dass alle Menschen es gut mit ihnen meinen. Vertrauensvoll blicken sie in die Welt und dem Kontakt zu anderen Menschen entgegen. Um wachsen zu können, sind sie darauf angewiesen, dass dieses Vertrauen, der Wunsch nach Sicherheit und Schutz, nicht enttäuscht wird.
Ausnützen der positiven Grundsituation
Bei sexuellem Missbrauch missbraucht ein Erwachsener oder Jugendlicher genau diese vertrauensvolle Offenheit von Kindern. Um sein Bedürfnis nach Macht zu befriedigen, übt er sexuelle Handlungen an oder vor Kindern aus oder verleitet sie, solche Handlungen an ihm vorzunehmen. Bei sexuellem Missbrauch stehen also nicht allein sexuelle Wünsche im Vordergrund – die meisten Täter und Täterinnen haben sexuelle Beziehungen zu Erwachsenen – sondern auch das Bedürfnis nach Machtausübung.
Aufklärung
Kinder und Jugendliche sollten altersangemessen über „sexuellen Missbrauch“ informiert werden. Bei jungen Kindern kann es ausreichen, zu benennen, dass es Erwachsene gibt, die Kinder gegen ihren Willen küssen, sie in den Arm nehmen, obwohl ihnen das nicht gefällt, sie an Scheide oder Penis anfassen wollen. Dann dürfen die Kinder NEIN sagen, weglaufen und sich Hilfe holen – und zwar unabhängig davon, wer das versucht. Je älter die Kinder werden, desto detaillierter können die Informationen sein. Es gibt mittlerweile für jede Altersgruppe geeignetes Präventionsmaterial. Selbstbehauptungskurse oder Theaterstücke unterstützen die Präventionsarbeit. Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um eine einmalige Veranstaltung handelt. Kinder lernen über Wiederholung – nicht nur kognitiv sondern vor allem auch über das emotionale Erleben. Neben den Inhalten sollten die Stärkung der Persönlichkeit und die Benennung von Handlungsmöglichkeiten im Mittelpunkt stehen. Dabei sollten auch Anlaufstellen benannt werden. Wichtig: Prävention, die Angst macht, verfehlt ihren Zweck.
Täter und Täterinnen nutzen bevorzugt den direkten Online-Draht zu ihren Opfern. Sie suchen ihre Opfer aus, intensivieren den Kontakt, bauen Vertrauen auf, erpressen, und sie verbreiten nicht selten Missbrauchsfilme.
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Was ist Pädophilie?
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In der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Pädophilie als „Störung der Sexualpräferenz“ aufgeführt und beschreibt die sexuelle Ausrichtung auf vorpubertäre Kinder.
Mit Blick auf das konkrete sexuelle Verhalten gelingt es einem Teil der betroffenen Männer, ihre sexuellen Impulse lebenslang auf der Fantasieebene zu belassen. Auf keinen Fall ist daher die Diagnose Pädophilie oder Hebephilie (die sexuelle Ausrichtung auf pubertäre Kinder) immer mit sexuellem Kindesmissbrauch oder sexueller Ausbeutung durch Kinderpornografie gleichzusetzen. Dennoch muss bei Pädophilie davon ausgegangen werden, dass der Wunsch, Kinderpornografie zu nutzen und/oder sexuelle Kontakte zu Minderjährigen aufzunehmen, lebenslang kontrolliert werden muss.
Zuverlässige Daten darüber, wie groß der Anteil pädophiler Menschen in der Bevölkerung ist, gibt es bisher nicht. Experten gehen von ca. einem Prozent der männlichen Bevölkerung aus. Ausgehend von den für 2005 ermittelten ca. 30 Millionen Männern zwischen 18 und 75 Jahren wären das in Deutschland ca. 300 000 Pädophile.
Untersuchungen ergaben, dass nur 15 Prozent der wegen sexueller Übergriffe auf Kinder inhaftierten Männer alle diagnostischen Kriterien einer pädophilen Hauptströmung, ca. 25 Prozent die einer pädophilen Nebenströmung erfüllen. (Uni Regensburg, 2010; genaue Angabe unter: www.kein-taeter-werden-bayern.de/faq.htm)
Der Anteil pädophiler Frauen scheint nach bisherigem Kenntnisstand verschwindend gering zu sein. So haben sich z. B. im Rahmen des Präventionsprojektes „Dunkelfeld“ an der Berliner Charité bisher nur zwei Frauen gemeldet; lediglich bei einer konnte tatsächlich eine Pädophilie diagnostiziert werden. Auch in der Forschungsliteratur werden nur wenige Einzelfälle pädophiler Frauen beschrieben.
Pädophile Personen reagieren sexuell auf Kinder und wünschen sich sozialen Umgang und Kontakt mit ihnen.
Bei ca. 60 Prozent der wegen sexueller Übergriffe auf Kinder inhaftierten Männer lässt sich keine Pädophilie diagnostizieren. Die Taten werden als „Ersatzhandlungen“ begangen.
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Wie gehen Täter und Täterinnen vor?
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Auswahl der Opfer
Bei sexuellem Missbrauch handelt es sich um geplante Taten. Menschen, die Kinder missbrauchen, überlegen im Vorfeld genau, welche Mädchen und Jungen "leichte Opfer" sind. Sie suchen bewusst nach Kindern, zu denen sie einfach Kontakt aufnehmen können, die sich z.B. oft alleine fühlen, die nicht genügend anerkannt werden, die in einer schwierigen Elternbeziehung leben. Täter bzw. Täterinnen bevorzugen z.B. Mädchen, die gelernt haben, immer lieb, brav und vernünftig sein zu müssen, und Jungen, denen vermittelt wurde, dass "Indianer keinen Schmerz kennen".
Kontaktaufnahme
Eine Strategie von Tätern oder Täterinnen ist es, gezielt kindgerechte Orte aufzusuchen, z.B. Schwimmbäder, Freizeitparks, um dort Kontakt zu Kindern aufzunehmen. Eine weitere Möglichkeit, "geeignete" Opfer zu finden, bieten z.B. Sportvereine oder andere Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen. Neben ehrenamtlicher Tätigkeit suchen sich Täter und Täterinnen bewusst Berufsfelder, in denen sie mit Kindern zu tun haben. Sie betätigen sich z.B. als LehrerInnen, JugendgruppenleiterInnen, Hausmeister an Schulen, ErzieherInnen in Kindertagesstätten, ÄrztInnen, SchulbusfahrerInnen, SeelsorgerInnen.
Einige Täter halten bewusst Ausschau nach allein erziehenden Müttern, um sich über die Beziehung zur Mutter die Möglichkeit zu verschaffen, später ihre Kinder missbrauchen zu können.
Das Internet mit seinen vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten bietet darüber hinaus beste Gelegenheiten Mädchen und Jungen unmittelbar mit Mädchen und Jungen in Kontakt zu treten.
"Testrituale"
Nachdem der Täter bzw. die Täterin zu einem Kind bzw. Jugendlichen Kontakt aufgenommen hat, vertieft er oder sie nach und nach auf eine kindgerechte und altersangemessene Art und Weise die Beziehung. Dabei lässt er oder sie sich meistens Zeit, denn Ziel ist es, das Kind in eine emotionale Beziehung zu verstricken, die dem Kind wichtig ist.
Täter und Täterinnen "studieren" Mädchen und Jungen, ihre Vorlieben, Abneigungen, lernen ihre Nöte und heimlichen Wünsche kennen. Gleichzeitig üben sie immer wieder – nur schwer erkennbare – sexuelle Grenzüberschreitungen ("Testrituale") aus. In der Umkleidekabine berührt ein Trainer wie zufällig die Scheide oder den Penis des Kindes. Scheinbar zufällig liegen in der Wohnung des Opas Zeitschriften mit pornographischen Abbildungen herum. Ein Lehrer äußert sexistische "Qualitätsurteile" über die Entwicklung seiner Schülerin, eine Nachbarin gibt vor, das Kind aufklären zu wollen oder tarnt Übergriffe als Körperpflegehandlungen ("Lass mich mal gucken, ob du auch richtig abgetrocknet bist."). Im Chat werden ganz nebenbei sexuelle Themen angesprochen.
Täter und Täterinnen achten genau darauf, wie ihre potenziellen Opfer auf diese "Testrituale" reagieren. Empören sich Kinder oder Jugendliche, setzen sie sich zur Wehr, oder klicken sie den Täter einfach weg, kommen sie als Opfer weniger in Frage. Die Täter und Täterinnen lassen meist von ihnen ab. Sie haben zwar Zeit und Mühe investiert, aber die Möglichkeit einer Entdeckung ist groß. Reagiert ein Mädchen oder ein Junge auf die "Testrituale" eher schüchtern oder versucht sie zu ignorieren, ist das ein Signal für den Täter, die Beziehung zum Opfer weiter zu intensivieren.
Die Wahrnehmung der Umwelt vernebeln
Täter und Täterinnen gehen davon aus, dass Eltern für Kinder die erste Adresse sind, wenn es darum geht, sich Hilfe zu holen. Darum ist es für sie wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um Verdachtsmomente gar nicht erst aufkommen zu lassen. Aus Berechnung nehmen sie Kontakt zu den Eltern der Kinder auf oder vertiefen diesen.
Sie zeigen sich z.B. als hilfsbereiter Nachbar, der mit der Übernahme von Reparaturarbeiten, Babysitterdiensten oder Gewährung von Krediten einspringt. Auch bieten einige sich an, Fahrdienste zur Schule oder zum Einkaufen zu übernehmen, um Eltern zu entlasten. Ebenso festigen Geschenke an die Eltern oder das Herstellen günstiger Beziehungen das Bild eines netten Mannes ohne Fehl und Tadel. Täter bzw. Täterinnen, die beruflich mit Kindern arbeiten, haben oft den Ruf des engagierten Kinderfreundes, der sich für Rechte und Belange von Mädchen und Jungen einsetzt und brauchen sich bei den Eltern oftmals noch nicht einmal einzuschmeicheln.
Haben sich Täter oder Täterinnen einen guten Ruf erarbeitet, so haben sie ein Teilziel erreicht: Für das Kind ist es fast unmöglich, sich den Eltern oder anderen Bezugspersonen anzuvertrauen, da es davon ausgeht, dass der erwachsenen, angesehenen Person mehr geglaubt wird als ihm selbst.
Die Manipulation des Opfers
Täter und Täterinnen intensivieren nun die Beziehung zu ihren Opfern. Sie steigern z.B. ihre emotionale Zuwendung, machen Mädchen und Jungen Geschenke, geben ihnen das Gefühl, wichtig und etwas ganz Besonderes zu sein. Kinder genießen in der Regel diese spezielle Zuwendung, Anerkennung und Beachtung. Und genau dies setzen Täter bzw. Täterinnen ein, um ihre Opfer immer mehr in eine scheinbar unauflösbare Beziehung zu verstricken. Täter und Täterinnen sind Meister darin, eine für das Kind/Jugendlichen wichtige Bindung herzustellen. Gleichzeitig steigern sie die sexuellen Übergriffe. Häufig wird die sexuelle Ausbeutung in der Anfangsphase als Pflegeverhalten oder Spiel getarnt. Täter und Täterinnen tun oft so, als ob sexuelle Übergriffe Ausdruck von Zuneigung und Zärtlichkeit, von Sorge um die körperliche Entwicklung des Kindes oder von Aufklärung wären. Häufig betten sie die sexuelle Ausbeutung in "Alltagshandlungen" ein.
Den Widerstand des Opfers ignorieren
Kinder merken, wenn irgendetwas im Spiel "komisch" oder eigenartig ist. Doch Täter bzw. Täterinnen nutzen ihre erwachsene Überlegenheit aus, um ihren Opfern zu versichern, dass alles in Ordnung und normal ist. Mädchen und Jungen spüren sehr deutlich den Unterschied zwischen zärtlicher Zuwendung und sexuellen Grenzverletzungen. Sie möchten die emotionale Zuwendung nicht verlieren und haben Schwierigkeiten, sich offensiv zur Wehr zu setzen. Z.B. kichern sie ein verlegendes "Nein", machen ihren Körper steif, drehen den Kopf weg. Diese Signale werden von Tätern bzw. Täterinnen zwar erkannt, aber ignoriert und übergangen.
Redeverbot
Täter und Täterinnen erklären die sich steigernden sexuellen Missbrauchshandlungen zum gemeinsamen "kleinen Geheimnis" und reden damit Mädchen und Jungen eine aktive Beteiligung ein. Z.B. müssen Kinder mit einem "großen Indianerehrenwort" schwören, über die gemeinsamen "Spielereien" zu schweigen. Kleine Kinder "verplappern" zwar meist zunächst das Erlebnis, doch ihre Umwelt nimmt das scheinbar Unglaubliche nicht ernst oder wahr. Nach einer Weile beugen sich die Opfer meist dem Schweigegebot, sie schämen sich und spüren, dass es "besser" ist, den Mund zu halten.
Opfer zum Schweigen bringen
Wenn der Widerstand von Mädchen und Jungen zunimmt, setzen Täter bzw. Täterinnen oftmals massivere Mittel ein, um das Opfer zum Schweigen zu bringen. Dabei verfügen sie über eine große Palette von "Argumenten", in der das Einreden einer aktiven Beteiligung des Opfers, Liebesbeteuerungen, das Erregen von Mitleid, Drohungen, Erpressungen bis hin zu schlagender Gewalt enthalten sind. Zumeist wird dem Opfer erst sein "eigenes" Verhalten vor Augen geführt: "Du hast ja mitgemacht", "Dir hat es ja auch Spaß gemacht.", "Hättest du nur deutlich NEIN gesagt, ich hätte sofort aufgehört.“ Eine andere Variante ist: "Wenn die anderen wüssten, was du hier mit mir gemacht hast...!" Oder: "Ich tue das doch nur, weil ich dich so unendlich liebe."
Oft droht ein Täter oder eine Täterin: "Wenn du darüber redest, wird deine Mama krank ..., glaubt Dir sowieso keiner ..., dann hat dich keiner mehr lieb ..., dann kommen wir beide ins Gefängnis ..., dann kommst du ins Heim. ..., dann machst du die Familie kaputt, dann stirbt dein Haustier ...,“
Auch hier sorgt die kognitive Überlegenheit dafür, dass das Kind solche Drohungen zunächst ernst nimmt. In Fällen, in denen der Täter bzw. die Täterin sich nicht sicher ist, ob das Schweigegebot hält, kann es durchaus vorkommen, dass das Haustier tatsächlich sterben muss oder aber der Täter bzw. die Täterin schlagende Gewalt einsetzt, um seinem/ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen.
Wenn der Missbrauch in religiösem Kontext geschieht, bringen Täter bzw. Täterinnen den "lieben Gott" noch ins Spiel: Er hat z.B. 'angeordnet', gerade dieses Kind „für Sünden zu bestrafen“ oder aber Er lässt das Opfer fallen, wenn es darüber spricht.
Mädchen und Jungen, deren sexueller Missbrauch mittels digitaler Medien dokumentiert wurde
Das Gefühl der Erniedrigung und Beschämung der Opfer steigt mit der filmischen oder fotografischen Dokumentation der sexuellen Ausbeutung. Im Unterschied zu den Opfern sexueller Gewalt ohne Dokumentation bedeutet das digitale Festhalten der sexuellen Ausbeutung für die Opfer, dass der Missbrauch niemals endet.
Betroffene leben bis ins Erwachsenenalter in der berechtigten Angst, dass das Film- und Bildmaterial noch im Umlauf ist und jemand sie erkennt.
Jeder Mensch, dem sie begegnen, könnte die Aufnahmen gesehen haben. Einmal ins Internet gestellt, sind die Daten nicht mehr rückrufbar. Es gibt keine Möglichkeit der Kontrolle, auf welchen Computer irgendwo in der Welt die Daten kopiert werden.
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Kommen auch Frauen als Täterinnen in Frage?
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Die überwiegende Mehrzahl bekannt gewordener Fälle sexuellen Missbrauchs wird von Männern verübt. Doch auch Frauen missbrauchen Kinder und Jugendliche.
Frauen gehen bei sexuellem Missbrauch genauso strategisch vor wie Männer, die Handlungen sind ebenso gravierend und schädigen die Betroffenen in gleicher Weise. Wir wissen immer noch zu wenig über Frauen als Täterinnen, weil die Forschung bei dieser Frage erst am Anfang steht.
Bei Mädchen ist der Missbrauch durch Frauen noch weniger mitteilbar als der Missbrauch durch Männer. Da dies gesellschaftlich noch mehr tabuisiert ist, befürchten die Betroffenen, dass ihnen DAS überhaupt nicht geglaubt wird. In Beratungssituationen werden Übergriffe durch Frauen häufig zunächst verschwiegen, um zu testen, ob die Beratungsbeziehung auch tragfähig genug ist.
Jungen, die durch Frauen missbraucht werden, deuten die ihnen zugefügte sexuelle Gewalt häufig als „Einführung in die Liebe“ um. Sie prahlen dann damit, dass sie schon als 10-jährige mit einer erwachsenen Frau geschlafen hätten. Dies ist für sie leichter, als sich einzugestehen, dass sie sexuell ausgebeutet wurden. Missbrauch durch Frauen darf nicht ausgeblendet werden. Hier gilt es, mehr Sensiblisierung zu entwickeln.
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Was kann ich tun, wenn sich ein Mädchen oder ein Junge mir anvertraut?
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Wenn ein Mädchen oder ein Junge Ihnen einen sexuellen Missbrauch andeutet oder erzählt, können folgende Hinweise hilfreich sein:
Ruhe bewahren und möglichst sachlich reagieren
Das Mädchen bzw. der Junge braucht jetzt einen Erwachsenen, der in Ruhe zuhört. Betroffene Kinder und Jugendliche sind mit Reaktionen wie Entsetzen und Panik überfordert und nehmen ihre Berichte dann meist zurück.Das Mädchen/den Jungen ernst nehmen
In aller Regel verharmlosen Kinder und Jugendliche ihre Berichte eines Missbrauchs – oder sie verschweigen das Erlebnis ganz, um den Täter (die Täterin) und/oder die vertrauensvollen Bezugspersonen zu schützen. Werden die Erlebnisse des Kindes heruntergespielt, wie z. B. „Ist ja halb so schlimm“ oder „Am besten, du vergisst alles ganz schnell wieder“, so stützt dies die Bewertung des Täters oder der Täterin.Bohrende Fragen vermeiden
Häufiges Nachfragen signalisiert dem Kind, dass vielleicht an den Aussagen gezweifelt wird. Überlassen Sie es dem Mädchen oder Jungen, was sie oder er wann erzählen möchte. Sie brauchen meist nicht viel zu sagen. Wichtig ist, dass Sie für das Mädchen/den Jungen da sind und das auch vermitteln. Die weitere Vorgehensweise mit dem Betroffenen abstimmen!Dem Kind nie die Mitschuld geben
Sagen Sie dem Mädchen oder Jungen ausdrücklich, dass sie oder er keine Schuld hat. Die Verantwortung trägt immer der Täter oder die Täterin.Die Gefühle des Kindes akzeptieren
Betroffene Kinder haben beispielsweise das Recht, den Täter bzw. die Täterin trotz allem noch zu lieben. Wenn Sie selbst damit nicht zurecht kommen, suchen Sie sich Unterstützung.Dem Kind keine Vorwürfe machen
Machen Sie dem Kind oder Jugendlichen keine Vorwürfe, auch wenn es sich erst eine Weile nach dem Geschehen anvertraut hat. Loben Sie das Mädchen/den Jungen vielmehr für den Mut, jetzt zu sprechen.Das Kind ist nicht allein
Sagen Sie dem Kind, dass das, was ihm passiert ist, auch anderen Kindern widerfahren ist.Zeigen Sie sich vertrauenswürdig
Machen Sie keine voreiligen Zusagen und Versprechungen, die Sie nicht halten können. Wecken Sie keine falschen Hoffnungen.Holen Sie sich Hilfe
Suchen Sie in jedem Fall Unterstützung in einer Beratungsstelle, um Ihre Gefühle und Gedanken zu sortieren und weitere Schritte zum Schutz des Mädchens/des Jungen zu planen.Besteht eine akute Gefahr in Form von Nötigungen, Verbreitung von Bildern, Bedrohung, Erpressung, Androhung (von sexueller Gewalt), so ist es wichtig, die Behörden einzuschalten.
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Was kann ich tun, wenn ich sexuellen Missbrauch vermute?
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Wenn Sie sexuellen Missbrauch vermuten, gilt es, sich zuerst einmal einen Überblick über den tatsächlichen Sachverhalt zu verschaffen, um angemessen zum Schutz des Kindes oder des Jugendlichen handeln zu können.
Ruhe bewahren
Die Vermutung eines sexuellen Missbrauchs löst vielfältige und oft widerstreitende Emotionen aus. Zunächst gilt es also, Ruhe zu bewahren und die nächsten Schritte zu planen.
Wahrnehmung des Kindes bzw. des/der Jugendlichen
Nicht alle betroffenen Kinder und Jugendlichen zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Nur selten finden sich z. B. auch körperliche Spuren. Daher gilt es, auf eindeutige Verhaltensänderungen zu achten. Dabei ist es wichtig, die Verhaltensweisen als Strategie bzw. „Symptomsprache“ des Kindes oder des/der Jugendlichen zu verstehen.
Kontakt zum Kind bzw. Jugendlichen stärken
Seien Sie ein offener, interessierter und gesprächsbereiter Erwachsener. Je mehr Sie dem Kind bzw. dem/der Jugendlichen eine eigene Meinung und Bewertung zugestehen, desto leichter fällt es, die belastenden Geheimnisse zu offenbaren.
Beobachtungen notieren
Oft ist es hilfreich, Beobachtungen zu Verhaltensänderungen stichpunktartig festzuhalten. Das dient zum einen der inneren Klärung – also der Frage wie diese Veränderungen einzuordnen sind – und zum anderen einer später möglicherweise notwendigen Dokumentation. Dazu gehört auch das Festhalten aller körperlichen, psychischen, sozialen, familiären Gegebenheiten und Veränderungen.
Austausch mit anderen
Wenn Sie im Rahmen ihres Berufs mit einem betroffenen Kind zu tun haben, sprechen Sie mit Kolleginnen und Kollegen über mögliche Verhaltensänderungen des Kindes oder des/der Jugendlichen.
Informieren Sie die Leitung
Besprechen Sie die Vermutung mit der zuständigen Leitung und ggf. mit der zuständigen Fachberatung des Trägers Ihrer Institution (gemäß § 8a SGB VIII „Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung“).
Klären Sie Ihre Vermutung mit Hilfe einer Fachberatungsstelle
Dabei gilt es zu bedenken, dass alle Verhaltensauffälligkeiten durch eine Vielzahl von Ursachen begründet sein können. Eine davon ist ein möglicher sexueller Missbrauch. Es ist demnach wichtig, nicht zu früh zu interpretieren, aber gleichermaßen die Signale nicht zu bagatellisieren.
Leiten Sie weitere Schritte ein
Es ist wichtig, die weiteren Schritte in Absprache mit der Fachberatungsstelle und der Leitung zu planen.
- Wer hält den Kontakt zum Kind/Jugendlichen?
- Wer spricht ggf. die Eltern an?
- Wer wendet sich ggf. an das zuständige Jugendamt?
- Wie verhält es sich mit der Möglichkeit einer Strafanzeige? Dabei ist wichtig zu wissen, dass Sie nicht zu einer Strafanzeige verpflichtet sind.
Denken Sie an sich und Ihre Kräfte
Seien Sie sich Ihrer Haltung und Ihrer persönlichen Grenzen bewusst. Niemand kann ein solches Problem alleine lösen!
Sexueller Missbrauch kann auch „nur“ über das Internet stattfinden, indem ein Täter oder eine Täterin z. B. sexuelle Handlungen vor der Webcam vornimmt.
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Wie kann die Hilfe für Opfer sexuellen Missbrauchs aussehen?
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Betroffene brauchen Erwachsene, die sich vorstellen können, dass ein sexueller Missbrauch tatsächlich stattgefunden hat. Es ist wichtig, die durch das Geschehen ausgelösten Gefühle anzuerkennen, Betroffenen die eigene Meinung und Bewertung zuzugestehen. Kindern und Jugendlichen fällt es leichter, ihre belastenden Geheimnisse zu offenbaren, wenn die Erwachsenen zeigen, dass sie offen, interessiert und gesprächsbereit sind.
Betroffene brauchen Erwachsene, die verstehen. Verhaltensweisen, die für Erwachsene oft nicht nachvollziehbar oder gar störend sind, können eine Strategie des Kindes sein, sich mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Missbrauch zu wehren. Wenn ein Kind zum Beispiel aufhört, sich zu waschen, tut es das vielleicht, damit der Täter es in Ruhe lässt. Seine Umgebung wird darauf eher gereizt reagieren und alles daran setzen, dass sich das Kind wieder wäscht. Auch stößt es eher auf Unverständnis oder Ablehnung, wenn sich ein Mädchen mit mehreren Kleidungsschichten ins Bett legt oder ein Junge die Zimmertür mit seinen Dinosaurierfiguren verbarrikadiert. Zwar lässt sich der Täter/die Täterin von diesen Widerstandsformen in aller Regel nicht abschrecken, doch mehr oder weniger bewusst liegt darin die Hoffnung, dass eine Bezugsperson auf das Verhalten aufmerksam wird. Es gilt vor allem, den großen Zwiespalt der Betroffenen zu verstehen, vor allem wenn es sich um eine nahe, vertraute Person handelt. Sie wollen den Missbrauch beenden, aber sie wollen den Täter oder die Täterin auf keinen Fall verlieren. Häufig hängen sie nach wie vor an deren „gutem“ Teil, wollen ihn erhalten und ihm nicht schaden.
Betroffene brauchen Erwachsene, die Ruhe bewahren können. Bevor zu schnell interveniert wird, sollten sich Erwachsene ihrerseits Hilfe holen. Es ist nicht leicht, den sexuellen Missbrauch im nahen Umfeld zu akzeptieren und die komplexe Dynamik zu erfassen. Ein Gespräch in einer Beratungsstelle gibt Raum, alle Eindrücke zu sortieren, zur Ruhe zu kommen und Handlungsschritte zu planen, um den Missbrauch zu stoppen.
Betroffene brauchen Nachsorge. Nicht alle Opfer sexueller Gewalt brauchen sofort therapeutische Hilfe. Dies ist jedoch professionell abzuklären, so dass auf jeden Fall eine Fachberatungsstelle hinzugezogen werden sollte. Die Folgen für Betroffene hängen unter anderem davon ab
- wie lange der sexuelle Missbrauch andauerte
- in welcher Beziehung die missbrauchende Person zum Kind stand
- wie „gravierend“ die Handlungen waren und empfunden wurden
- wie „opferschonend“ die Aufdeckung war und
- wie unterstützend das Umfeld reagierte.
Nicht alle betroffenen Kinder und Jugendlichen brauchen sofort (oder überhaupt) therapeutische Unterstützung. Sollte die Ohnmacht des Missbrauchs mit all den einhergehenden Gefühlen jedoch später – z. B. in der Pubertät – „aktualisiert“ werden, kann es sein, dass Betroffene (selbst-) schädigende Verhaltensweisen entwickeln und therapeutische Hilfe benötigen.
Ist der Missbrauch gestoppt, brauchen betroffene Kinder und Jugendliche neben empathischer Unterstützung und der Möglichkeit, über das Erlebte zu sprechen auch Erwachsene, die erkennen, wann es an der Zeit ist, dass wieder „normaler Alltag“ einkehrt. Werden Mädchen und Jungen ausschließlich auf einen „Opferstatus“ reduziert, schwächt und behindert das ihre Weiterentwicklung. Ziel muss sein, die Verletzung derart zu behandeln, dass sie gut und zügig verheilt und möglichst nur kleine Narben zurück bleiben. Der Missbrauch ist Teil der Lebensgeschichte eines Menschen, aber bei Weitem nicht der einzige Teil, der das Leben bedeutsam macht.
Sollte es zu einem Gerichtsprozess kommen, so ist eine besondere Unterstützung für das Verfahren, z. B. sozialpädagogische Prozessbegleitung und Nebenklage, wünschenswert.
Betroffene brauchen Erwachsene, die hinsehen und eingreifen. Nicht selten werden Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Übergriffe durch andere Kinder und Jugendliche. Manchmal handelt es sich dabei um Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter. Hier braucht es Erwachsene, die dieses Verhalten ernst nehmen und übergriffigen Mädchen und Jungen deutliche Grenzen setzen. Abgesehen davon brauchen die grenzverletzenden Kinder und Jugendlichen Hilfe.
Manche Kinder und Jugendliche nutzen die digitalen Medien, um andere sexuell zu belästigen oder bloßzustellen. Betroffene brauchen Erwachsene, die sich mit dieser Technologie auskennen, die mit Kindern und Jugendlichen über ihre Erfahrungen mit den digitalen Medien sprechen und gegebenenfalls eingreifen können.
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Aufgaben verschiedener Anlaufstellen und Institutionen
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Eltern, Angehörige und Betroffene brauchen Anlaufstellen, die ihnen bei der Bewältigung ihrer Situation helfen. Es geht darum, sich zu sortieren, sich gemeinsam mit Fachleuten zu überlegen, wie die weitere Vorgehensweise zum Wohl des Kindes oder des Jugendlichen aussehen kann. Der Behandlungsplan umfasst die notwendige und sinnvolle Einbindung der Eltern bzw. Vertrauenspersonen.
Beratungsstellen
Unterstützung finden Sie bei spezialisierten Beratungsstellen aber auch Erziehungs- oder Familienberatungsangeboten. Hier finden Sie einen Überblick über Beratungsangebote. Sollte Ihre Region nicht vertreten sein, so wenden Sie sich bitte an N.I.N.A. unter 01805 – 1234 65 (14 cent/Minute) oder mail(at)nina-info.de. Dort können Sie sich zunächst telefonischen Rat holen und werden bei Bedarf an Beratungsstellen vor Ort weiterverwiesen.
Jugendliche, die online Anmache und sexuelle Übergriffe erleben, finden schnelle, unbürokratische und anonyme Beratung unter: www.save-me-online.de.
Jugendamt
Kinder und Jugendliche, die Missbrauch innerhalb der Familie erleben, brauchen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die ihrem Auftrag – das Kind zu schützen – nachkommen. Das bedeutet allerdings, dass diese Ansprechpartner zum einen um die Dynamik eines sexuellen Missbrauchs wissen, und zum anderen in der Lage sind, diese Fälle mit der nötigen Zeit und Aufmerksamkeit zu begleiten.
Strafverfolgung
Ist die Entscheidung für eine Anzeige gefallen, brauchen Betroffene und deren Angehörige Unterstützung bei den Schritten, die dann zu gehen sind. Sie sind auf gut geschulte Polizistinnen und Polizisten angewiesen. Beratungsstellen bieten häufig eine Prozessbegleitung an. Diese sollte nicht von der zugewiesenen Fallberaterin bzw. Therapeutin übernommen werden, sondern von einer weiteren Person.
Vernetzung
Es ist wichtig, dass alle involvierten Stellen miteinander vernetzt sind, um einen regelmäßigen Informationsfluss zum Schutz der Betroffenen zu gewährleisten. Dazu gehören:
Jugendamt, Anwaltschaft/Staatsanwaltschaft/Gericht, Beratungsstelle, Medizin/Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kindergarten/Schule, niedergelassene Therapeuten, ...





